Die St. Petrikirche in Chemnitz hatte Glück im Unglück. Der Bombenangriff auf Chemnitz 1945 verursachte den größten Schaden am Operngebäude und verschonte die Kirche vor dem Schlimmsten. Das Dach hatte gelitten und die historischen Fenster waren zerstört, aber der Bau stand noch. Während der DDR-Zeit hätte man die Kirchen am liebsten geschlossen und deshalb gab es an Reparaturen zunächst kein Interesse. Vielmehr wollte man die Petrikirche zeitweilig sogar abreißen. Für das Stadtbild von Chemnitz wäre das ein unersetzlicher Verlust gewesen. Ist doch gerade die St. Petrikirche ein Symbol für den Aufschwung der Stadt Chemnitz im 19. Jahrhundert. Außerdem war sie das erste Gebäude am heutigen Theaterplatz. Nach dreijähriger Bauzeit hatte man die Petrikirche 1888 festlich eingeweiht und die bis dahin auf 30.000 Personen angewachsene Kirchengemeinde mit fünf Geistlichen bekam endlich eine angemessene Kirche. Im wahrsten Sinne des Wortes erhob sich nun ein farbiges Juwel aus rotem Klinker, hellem Sandstein und grauem Schieferdach mit einem 82 Meter hohem Turm und 5,5 Tonnen schweren Glocken in den Himmel. Im prächtigen Innenraum mit 1.200 Sitzplätzen durchflutete farbiges Licht aus Mosaikfenstern den Raum. Weißer französischer Kalkstein und Zöblitzer Serpentinstein kontrastierte mit der farbigen Ausstattung der Kirche. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der schönen Orgel des berühmtesten deutschen Orgelbauers im 19. Jahrhundert, Johann Friedrich Ladegast, mit ihren 58 Stimmen und dem prächtigen, Gold verzierten Gehäuse aus Linden- und Kiefernholz.
Die Petrikirche gehört zusammen mit der Oper und dem Museum zum eindrucksvollsten architektonischen Ensemble der Stadt Chemnitz. Dass dieses bis heute in seiner ursprünglichen Form überlebt hat, ist nicht zuletzt dem Verein Sakralbau Petri e. V. zu verdanken. Dabei handelt es sich um eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe von zuerst 17 und heute 25 Mitgliedern. Gemeindemitglieder und Chemnitzer Bürger aus allen Schichten haben sich für ein gemeinsames Ziel, den erhalt der Petrikirche, zusammengefunden. Ihnen ist es nicht nur gelungen, selbst erheblich finanzielle Beträge aufzubringen, sondern weitere Stifter innerhalb und außerhalb der Stadt zu begeistern. Die Erhaltung der Kirche war nämlich so gefährdet, dass sie 1987 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Zwar wurde ab 1991 die äußere Hülle der Kirche saniert, Gottesdienste waren jedoch wegen fehlender Heizung nur im Sommer möglich. Die Innenraumsanierung ging in so langsamen Schritten voran, dass glücklicherweise einige Chemnitzer Bürger die Geduld verloren und 1999 die bereits erwähnte Gesellschaft zur Erhaltung der Petrikirche gründeten. Mit Hilfe von Benefizkonzerten und zunächst 52.000 Euro an Privatspenden wurde die Innensanierung in Angriff genommen. Gebaut wurde je nach Mittelfluss. Ein entscheidender Schritt war dabei, dass der in Chemnitz geborene, angesehene europäische Industriemanager Professor Carl Hahn, seit 1999 Ehrenmitglied des Vereins Sakralbau Petri e. V., weitere bis dahin verborgene Geldquellen erschloss. Zuletzt fehlten noch die finanziellen Mittel für die Orgel. Mit professioneller Marketing-Strategie startete der Verein Sakralbau Petri e. V. die Aktion "Eine Königin für Chemnitz". Über 150 Stifterbriefe wurden nicht nur regional, sondern auch überregional verschickt. Jeder vom Verein gesammelte Euro wurde von der Sparkasse ergänzt und danach die Gesamtsumme von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung verdoppelt. Diese Aktion brachte es auf die stolze Summe von fast 400.000 Euro. Den Restbetrag übernahm die Denkmalpflege. Denn 560.000 Euro waren nötig, um die Orgel wieder in ihren wunderbaren vollen Klang zu versetzen. Am 19. Oktober 2008 wurde die "Königin von Chemnitz" geweiht und die Rettung der Petrikirche war damit abgeschlossen.
Ohne die Förderung des Vereins Sakralbau Petri e. V. und all derjenigen, die ihn unterstützten, wäre die Petrikirche nicht im Jahr 2008, sondern vielleicht erst im Jahr 2015 fertig geworden. Daran erkennt man wie wirkungsvoll bürgerliche Aktionen sein können, wenn das Ziel sich lohnt. Hätte nämlich der Verein Sakralbau Petri e. V. nicht den Anstoß zur Rettung der Kirche gegeben, wäre sie, wenn überhaupt, wohl erst im Jahre 2015 fertig geworden. Dieser vorbildlichen bürgerlichen Initiative ist eine Beschleunigung zur Rettung der Petrikirche um mindestens acht Jahre gelungen. Der Verein Sakralbau Petri e. V. ist damit ein würdiger Preisträger der diesjährigen SACHSEN-ASSE.
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