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WISSENSCHAFTS-ASS 2010

Prof. Dr. Oliver G. Schmidt, Nanotechnologie, IFW Dresden

Kraftpakete im Nanobereich
Prof. Dr. Oliver G. Schmidt

"Wir haben den kleinsten Raketenantrieb der Welt hergestellt", sagt Prof. Dr. Oliver G. Schmidt kurz und knapp. Der 39-jährige leitet das Institut für Integrative Nanowissenschaften am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) in Dresden und hat die Professur für Materialsysteme der Nanoelektronik an der Technischen Universität Chemnitz inne. Wie aus der Vorsilbe "nano" (1 Nanometer = 1 Milliardstel Meter) hervorgeht, beschäftigt er sich mit Teilchen und Prozessen von winziger Größe und in winzigen Strukturen.

Vereinfacht beschrieben, erfolgt die Herstellung der Mikroraketen durch hauchdünne Schichtsysteme, die sich auf einem Trägersubstrat von selbst zu Mikroröhrchen aufrollen. Nach dem Ablösen der Röhrchen erzeugen die chemisch aktiven Innenwände eine katalytische Reaktion in einer Flüssigkeit. Die Reaktion führt zur Bildung von Sauerstoffblasen, die aus den Röhrchen ausgestoßen werden und so für den Vortrieb der Mikrorakete sorgen. Da das aufgerollte Schichtsystem magnetische Materialien enthält, können die "Raketen" durch ein Magnetfeld ferngesteuert werden.

Die Herstellung der Röhrchen gelang schon um die Jahrtausendwende. Hernach galt es zu erkennen, was die Winzlinge können. Da fast beliebige Materialien und Materialkombinationen in Schichtsystemen verwendet werden können, ergeben sich beinahe unendliche Anwendungsmöglichkeiten, sagt der Wissenschaftler, der zuvor u. a. am Max-Planck-Institut in Stuttgart und an der University of Southern California geforscht hat. Denkbar sei der Einsatz im menschlichen Körper zum gezielten Transport von Medikamenten oder Beschießen von Krebszellen sowie in der Optik und Elektronik.

In Schmidts Forschungsgruppe gelang es auch, winzige Energiespeicher, die sich von selbst zu Batterien aufwickeln, zu realisieren. "Dies markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur ultrakompakten elektrischen Energieversorgung von Nanomaschinen", sagt Prof. Dr. Heinrich Lang vom Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der TU Chemnitz.

Die Arbeiten von Schmidt seien zahlreich als Topthemen der Fachliteratur erschienen und weltweit in mehr als 100 Einladungs-Vorträgen präsentiert worden. Auf der internationalen Nanotechnologie-Plattform AzoNano sei er in diesem Jahr unter den führenden Nanowissenschaftlern der Welt vertreten. Für Prof. Lang ist Oliver Schmidt das SACHSEN ASS in der Kategorie Wissenschaft.